Roadtrip durch Deutschland: Ein Traum wird wahr

Diesem Artikel widme ich allein dem Ausflug zum Schloss Neuschwanstein, meinem Höhepunkt der Reise. Wenn ihr denkt, das Schloss selbst sei der Höhepunkt: Falsch gedacht!

Montag, 26.06.2017: Der Ausflug zum Schloss Neuschwanstein war schon lange geplant. Für jemanden wie mich, die seit jeher fasziniert ist von der Familie Wittelsbach – insbesondere natürlich von der Kaiserin Elisabeth und Ludwig II – ist ein Besuch des halbfertigen Märchenschlosses schon immer ein Muss gewesen. Da mein Freund ich glaubten, romantische Bilder von uns mit dem Schloss im Hintergrund machen zu können, zog ich mein nigelnagelneues Kleid an und machte mich extra hübsch zurecht. Na ja, zumindest ich war so naiv, das mit dem romantischen Foto-Shooting zu glauben.

Vom Campingpark Oberammergau aus fuhren wir mit Bussen nach Hohenschwangau. Obwohl wir zwischendrin einmal umsteigen mussten, war die Fahrt sehr entspannt und wir konnten die wundervolle Landschaft betrachten. By the way – die Fahrkarte war im Aufenthaltspreis enthalten, was ein ausschlaggebendes Argument für die öffentlichen Verkehrsmittel war. Wir haben es nicht bereut!

Wir kamen gegen 9.30 Uhr an unserer Endhaltestelle an. Diese war am Fuß eines Berges, der zum Schloss hinaufführte. Ein kleiner Bus fuhr von dort aus bis zum Schloss und auch zur Marienbrücke, von wo aus man angeblich den schönsten Blick auf das Schloss hatte. Da wollten wir hin. Bis zur Führung um 13 Uhr war es noch eine Weile hin. Zum Glück hatten wir die Karten zuvor online reserviert. Auch unter der Woche war um die Uhrzeit schon eine ultralange Schlange an den Kassen und wer weiß, ob wir noch die Karten zur nächst freien Führung um 14 Uhr bekommen hätten! Dennoch mussten wir die Karten noch abholen, wofür es ein Stücken bergauf ging. Es waren geschätzt angenehme 20°C, im Laufe des Tages sollten die Temperaturen auf 26°C ansteigen. Ich war ja schon so aufgeregt! Endlich würde ich das romantischste Schloss überhaupt zu sehen bekommen! Und erwähnenswert ist an dieser Stelle vielleicht noch, dass ich die gesamte Reise über davon geträumte habe, dass mein Freund mich hier mit einem Ring überrascht. Wir alleine auf der Brücke, schießen verrückte bis wunderschöne Fotos und lassen uns von einem Touristen fotografieren, als mein Freund auf die Knie geht…Hach… Eine Traumvorstellung, genauso wie all die anderen Traumvorstellungen von einem Heiratsantrag in Paris über Barcelona bis hin zu unserem letzten Jahrestag, der im Umzugsstress einfach ausgefallen war. Ja, ich bin eine Träumerin und immer schon drei Schritte weiter als die Gegenwart.
Zurück zum Schloss. Bis dorthin waren es zu Fuß 40 Minuten. Mein Freund wollte aber lieber mit der Kutsche fahren. Ich meinte noch zu ihm: „Wir können doch auch zu Fuß gehen! Haben ja noch genug Zeit und NOCH ist es nicht so warm.“ Aber nein, mein Freund stand schon in der Schlange für die Kutsche und OHAAA, das war eine lange Schlange! Nach einer gefühlten Ewigkeit kam irgendwann mal eine Kutsche. Das würde eine lange Wartezeit werden – und ihr müsst wissen: Wenn ich eines hasse, dann ist es auf etwas zu warten. Das sollte an dem Tag aber kein Problem sein, nahm ich mir vor. Mein Freund aber beschloss, lieber den Bus zu nehmen, der weiter oberhalb von der Kutsch-Schlange abfuhr. Dort war allerdings auch eine Schlange. Also wollte mein Freund lieber mit dem Bus fahren, der unten abfuhr, wo wir auch ausgestiegen waren. Also gingen wir wieder runter. Außer uns stand nur ein weiteres Pärchen da und der Bus kam auch schon wenige Minuten später. Wir wollten gerade einsteigen, als eine Frau den Eingang blockierte. Sie war eine Touristenführerin und hatte diesen Bus um 10.30 schon einen Monat zuvor für ihre Gruppe reserviert. Ob wir noch reinpassten? Das wusste sie nicht und ihre Truppe kam nach und nach aus dem WC. Am Ende passten wir nicht mehr mit rein. Also stellten wir uns wieder in die Kutschen-Schlange. Und während ich euch die Geschichte erzähle, kann ich mir eure Gedanken an dieser Stelle vorstellen: „Wie dumm?!“ Jaaa, und es wurde immer wärmer und immer später! Als die nächste Kutsche ankam, konnten die vorne sich nicht organisieren, jedenfalls hob die Kutscherin irgendwann zwei Finger in die Höhe, nach dem Motto: „Zwei Plätze sind noch frei!“ Mein Freund und ich sprinteten nach vorne – als ein anderes Pärchen einstieg.

Und jetzt? BOAH, war das alles nun sein Ernst?! Den ganzen Morgen von A nach B, aber bloß nicht zum Schloss laufen? Warum mussten wir immer alles machen, wie er das möchte? Das funktionierte NIE! „Ich habe mich so auf den Tag gefreut und die ganze Zeit über nichts gesagt. Warum lässt du mich immer auflaufen? Ich habe gleich gesagt, lass uns zu Fuß gehen, aber nein, wir müssen unnötig Geld ausgeben. Ich mache mein Ding jetzt alleine! Du bist so ein Arschloch! Es wird immer heißer und jetzt komme ich durchgeschwitzt oben an, das werden tolle Fotos!“ So etwas in der Art habe ich meinen Freund in einem Wutanfall an den Kopf geworfen. Plötzlich war ich schrecklich wütend. Ich brach in Tränen aus. War ja klar, dass dieser Tag ein Reinfall würde. So wie alle Tage, auf die ich mich im Vorwege freute. Mein Freund war einsichtig und wollte mit mir nun zu Fuß gehen, aber ich war in meinem Alleingang-Modus und stakste schon drauf los. Mein Freund hinterher. Ich jedoch war voller negativer Energie, die mich antrieb, diesen 40 Minutenweg in 20 Minuten zu schaffen. Ich hängte meinen Freund gnadenlos ab. Klasse. Und ich hatte mir mal wieder einen Traumheiratsantrag ausgemalt. Ich würde NIE einen Antrag von ihm erhalten. Es lief schließlich nie so, wie ich mir das wünschte. Wie dumm ich doch war, so etwas zu denken.

Oben angekommen, war ich völlig fertig. Ich stand auf einer Brücke, von der aus man das Schloss Hohenschwangau wunderbar sehen konnte. Zu meiner Rechten lag das Schloss Neuschwanstein, in der Ferne der türkis-blaue Forggensee. Wie schön. Ich versuchte, wieder runterzukommen, während ich auf meinen Freund wartete. Ich wartete und wartete. Er kam nicht. So langsam konnte er doch nicht gewesen sein? Ich ging wieder zurück bis zur Gabelung. Mist. Mein Handy war im Rucksack meines Freundes. Gerade an diesem Tag hatte ich keine Handtasche dabei. Beim Blick auf die Schilder stieß mir das für die Marienbrücke ins Auge. Da ist er bestimmt hingegangen. Ich folgte dem Schild und da war sie: Die Marienbrücke vollgestopft mit Menschen. Ein Wunder, dass sie noch nicht runtergefallen war. Die Tränen begannen wieder, zu rollen. Wie konnte ich nur so doof sein, zu glauben, wir hätten die Brücke irgendwann mal für uns? Und wie sollte ich meinen Freund je wiederfinden?! Weit und breit keine Spur von ihm. Ich quetschte mich auf die Brücke und zwischen all den Menschen durch. Wollte eigentlich jeder Asiat dieses Schloss sehen? Auf der anderen Seite der Brücke tauchte mein Freund auf. Was für eine Erleichterung. Wir fielen uns in die Arme und begannen gleichzeitig mit überschwänglichen Entschuldigungen. Wie peinlich für mich, er musste sich doch nicht entschuldigen! In dem Moment war mir längst klar, dass ich allein diejenige war, die unfair gehandelt hatte. Mein Freund führte mich weg von der Brücke und einen plattgetretenen Kletterweg hinauf, den er in meiner Abwesenheit schon ausgespäht hatte. Mein Outfit war nicht aufs Klettern eingestellt, war in dem Moment jedoch egal, es war eh schon durchgeschwitzt. Oben angekommen, zeigte sich ein atemberaubender Spot: Wir schauten aus der Ferne runter auf das Märchenschloss, das umringt wurde vom farbenfrohen Forggensee. Es war ein wunderschöner Anblick. Hach, war das ein schöner Ort! Zwei, drei noch Verrücktere kletterten noch weiter hinauf, wir blieben auf der Ebene. Wir mussten den Blick lediglich mit einem weiteren Pärchen teilen, ansonsten hatten wir den Moment für uns. Wir setzten uns hin und nahmen uns Zeit, uns zu akklimatisieren. Ich war wieder glücklich. Meinen wundervollen Prinzen an meiner Seite und dieser wunderschöne Blick – alles war wieder gut.

Irgendwann schlug er vor, nun doch noch die Fotos zu schießen, oder schießen zu lassen von dem anderen Pärchen. Ouh ja! Ich öffnete meinen Dutt und stellte mich schon einmal auf meinen Platz, während mein Freund den Mann um ein Foto bat. Dieser natürlich: „Na klar!“ Ich schmiss mich in Pose, holte mein schönstes Lächeln raus und tastete instinktiv nach meinem Freund, der nun schon neben mir sein musste. Als ich nichts fühlen konnte, schaute ich zur Seite, nach unten – oh mein Gott. Oh. Mein. Gott. Da kniete mein Freund, eine kleine Schachtel in der Hand, schaute mich mit seinem Hundeblick an und fragte mit zittriger Stimmte: „Willst du mich heiraten?“
Auf einmal stand die Welt still. Mein Herz explodierte, während es JAAAAAAAAAA! schrie. Mein Kopf checkte gar nichts, irgendwann rutschte ein dünnes „Ja“ aus meinem Mund. Ist das zu fassen? Ich konnte es gar nicht begreifen. Den Rest der Reise lief ich mit einem fetten Grinsen herum, mein Verlobter meinte, ich würde meine Hand so halten, als wollte ich der ganzen Welt den Ring zeigen. Was ich natürlich nicht tat, jedenfalls nicht bewusst. Leute, wir werden HEIRATEN!

Vor Schloss Neuschwanstein

Beweis nach dem Antrag 🙂

Spot für Schloss Neuschwanstein

Rechts oberhalb der Marienbrücke erhält man einen Augenblick für sich allein mit dem Schloss

Zu der Schlossführung kann ich noch Folgendes sagen: Für Ludwig Fans: Die fertigen Räume mit deren Anspielungen auf verschiedene Opern und Geschichten sind faszinierend. Er hat sich echt viel dabei gedacht. Für alle anderen: Die Führung dauert nur 30 Minuten und ist eine reine Massenabfertigung. Man wird mit so vielen Menschen durch die Räume geschoben. Die Führerin fängt schon an zu reden, wenn noch gar nicht alle im nächsten Raum sind, weil sie einfach keine Zeit hat. Weil die Führungen so dicht aneinandergereiht sind. Viele Räume kann man nicht sehen, das Schloss ist schließlich nicht ganz fertig. Geht lieber das Schloss Herrenchiemsee besuchen 🙂

Anfang der Reise verpasst? Hier geht es zum ersten Teil des Roadtrips

Hier geht es zu Station Fünf meines Roadtrips, dem Schwarzwald

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Roadtrip durch Deutschland: Station 5

Station 5: Der Schwarzwald

Je weiter wir in den Süden fuhren, desto mehr erstreckten sich die Bäume des Schwarzwaldes über uns. Wir fuhren durch schmale Straßen auf und ab und auf und ab, und während mein Freund beunruhigt den Verbrauch des Sprits beobachtete, staunte ich über die dicht bewaldeten Berge. So schön. Unser Campingplatz lag in St. Peter, einem kleinen, schnuckeligen Klosterdorf mit um die 2.500 Einwohnern, etwa 24 km von Freiburg im Breisgau entfernt. So weit weg? Zunächst war ich skeptisch: Erst 10 Minuten zu Fuß zum Bus, 20 Minuten mit dem Bus runter zum Bahnhof und dann noch einmal 10 Minuten mit der Bahn? Ich weiß nicht, wie es im restlichen Deutschland aussieht, aber Leute, es hat geklappt! Es hat super geklappt, egal zu welcher Uhrzeit! Also ab nach Freiburg! Diese Stadt hat mich komplett in seinen Bann gezogen. Bisher ist sie meine absolute Lieblingsstadt in Deutschland. Nicht unbedingt, weil sie mit schönen Gebäuden ausgestattet ist. Weil sie Flair hat und vor Lebensfreude nur so sprüht! Am besten versuche ich, euch anhand der Schnappschüsse zu zeigen, was ich meine:

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Abends sitzen die jungen Leute auf der Brücke, also auf den Bögen, und verbringen die Zeit bei einem Glas Wein mit ihren Freunden.

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Den heißesten Tag des Jahres, den ich in Deutschland erlebt habe, habe ich hier an dem Fluss Dreisam verbracht. Bei 38 °C ist Füße ins das klare Wasser zu stecken eine herrliche Option!

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In den Straßen der Innenstadt fließen die Freiburger Bächle. Der Legende nach sind das Tränen von einem Drachen und man muss, wenn man in ein Bächle tritt, eine Freiburgerin bzw. einen Freiburger heiraten. Dank der über 25.000 Studenten (uni-freiburg.de) kann man auch für den kleinen Geldbeutel angenehm essen, zum Beispiel im Bermudadreieck. Von Maultaschen und Flammkuchen bis hin zu Burgern ist vieles Leckeres dabei! Ein Sonnenuntergang vom Schlossberg aus ist einfach nur romantisch. Der Aufstieg lohnt sich sowas von! Freiburg im Schwarzwald hat mich so sehr berührt, dass ich die Stadt unter Wehmutstränen verlassen habe.

Während unseres Aufenthaltes in Sankt Peter haben wir einen Ausflug zu den Triberger Wasserfällen, den höchsten Wasserfällen Deutschlands, unternommen. Zunächst war ich entzückt von dem perfekt in Szene gesetzten Bereich der Stadt: Die hübsch bemalten Häuser zeigten sich als touristische Attraktion, sie priesen gutes Essen und Kuckucksuhren an:

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Zu allererst sollte es zu den Wasserfällen gehen. Da ich noch nie zuvor richtige Wasserfälle gesehen hatte, war es spannend, die Wege hinaufzusteigen. Allerdings waren wir bereits nach einer guten Dreiviertelstunde oben und nach einer weiteren Dreiviertelstunde hatten wir schon den Rundweg abgegangen. Letztendlich hatte ich mir von diesem Erlebnis mehr erhofft.

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Als wir auf der Suche nach der weltgrößten Kuckucksuhr waren, gingen wir in die falsche Richtung und je mehr wir den touristischen Bereich verließen, desto mehr zeigten sich die Schattenseiten der Stadt – die anderen Gebäude wurden bis dato stark vernachlässigt. Irgendwann, nach drei Kilometern oder so fiel uns auf, dass die Kuckucksuhr weit außerhalb von Triberg lag. Also latschten wir zurück zum Auto, wollten auf dem Rückweg aber noch ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte essen. Wo sonst sollte man die beste Schwarzwälder bekommen, wenn nicht direkt vor Ort? Kein Café, keine Bäckerei bot und jedoch auch nur ein Stückchen an. Schade. Also ab ins Auto und weiter zur Uhr. Nach einer kurzen Autofahrt waren wir am Ziel – zu sehen gab es diese jedoch nur mit Eintritt. Das war uns dann zu albern und wir fuhren wieder zurück nach Sankt Peter, durch weitere entzückende Dörfer, die ich alle gerne noch besucht hätte.

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Insgesamt betrachtet kann ich nur wiederholen, dass der Schwarzwald, speziell das Gebiet Baden, ein ganz besonderes Erlebnis für mich war. Die Wälder schrien danach erkundet zu werden. Freiburg war ganz klar mein zweitgrößtes Highlight auf dem gesamten Roadtrip. Mein größtes Highlight nicht nur dieser Tour, sondern diesen Jahres (wenn das nicht noch stark untertrieben ist) verrate ich euch beim nächsten Mal.

Anfang verpasst? Hier geht es zurück zum ersten Teil.
Von den Stationen zwei bis vier erzähle ich im zweiten Teil dieser Reihe.

Roadtrip durch Deutschland: Stationen 2, 3 und 4

Im ersten Teil meines Roadtrip-Berichtes habe ich euch von dem Ballungsraum Aachen erzählt. Nun kommt der chaotische Teil unserer Tour.

Bereits am Morgen fing es an. Der Plan war aus meiner Sicht, zügig die Sachen vom Zeltplatz in der Nähe von Aachen zu packen, um noch morgens beim Schloss Drachenburg in Königswinter zu sein (laut Google Maps 1 Std. 14 Min), damit wir anschließend schon am Nachmittag in Würzburg sein konnten. Der Plan meines Freundes war ein anderer: Nämlich entspannt die Sachen zu packen, nachdem er eine halbe Stunde lang Kaffee gekocht hatte. So kamen wir eine Stunde später los, ich war genervt und natürlich, wie ich es geahnt hatte, gerieten wir in den ersten Stau. Als wir in der Nähe von Königswinter waren, irrten wir eine Dreiviertelstunde durch die Gegend, weil das Navi etwas anderes sagte als die Schilder und mal wieder eine wesentliche Straße gesperrt war.

Station 2: Das Schloss Drachenburg

So kamen wir gegen 13 Uhr beim Schloss Drachenburg an. Das Schloss mit seinem schönen Garten ist von außen sehr hübsch und lädt zu fantasievollen Fotoshootings ein:

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In dem Haus selbst waren wir ungefähr eine Viertelstunde. Im Nachhinein hat sich der ganze Aufwand inklusive dem Umherirren, der Parkgebühren, dem steilen Aufstieg (weil uns die Bahn zu teuer war) und dem Eintritt von sieben Euro nicht gelohnt und einen Platz auf meine 101 Places to See-Liste hat das Schloss sich nicht verdient.

Station 3: Würzburg

Es war schon früher Nachmittag, als wir zum Zeltplatz in der Nähe von Würzburg aufbrachen. Wir fuhren von Stau zu Stau, was bei den Uhrzeiten wahrscheinlich auch ganz normal war. Schließlich kamen wir gegen 17 Uhr beim Campingplatz Schmid Camping und Wertheim-Bettingen an. Dieser Platz war schon deutlich schöner als der erste, was auch nicht schwer war. Er war direkt am Main gelegen, aber die Geräusche der Autobahn waren entfernt im Hintergrund zu hören.

Schließlich fuhren wir gegen 19 Uhr in Würzburg rein. Geparkt haben wir bei der Residenz. Sofort war klar, das wir uns diese am nächsten Morgen noch anschauen wollten.
Wir schlenderten ein bisschen durch die Innenstadt. Wir sind an keiner Altstadt vorbeigekommen. Dennoch ist Würzburg wirklich schön. Das Stadtbild wirkte homogen, selbst eine Dönerbude war komplett im Bild eingegliedert und auch Werbung hat sich dem Bild eingefügt.
Wir waren traurig, nur für eine so kurze Zeit da sein zu können. Vor allem, weil uns der Dom schon Lust auf einen Einblick gegeben hatte. Würzburg kommt auf jeden Fall mit auf eine Liste der noch zu besuchenden Städte! Zumindest für ein Glas Wein und Sternbäck hat die Zeit noch gereicht. Und für einen Besuch der Mainbrücke, an einem lauen Sommerabend ein sehr romantischer Ort, den viele Menschen mit einem Gläschen Wein genossen.

Main, Würzburg

Vom Fuße der Mainbrücke aus

Am nächsten Morgen besuchten wir die Residenz. Bei der Gruppenführung mussten wir uns die Leiterin lediglich mit zwei weiteren Paaren teilen. So hatten wir praktisch ihre ungeteilte Aufmerksamkeit, sie erzählte uns eine Menge über die Hintergründe der Residenz und den Fürstbischof, der die Residenz bauen ließ und sie ging auf alle unsere Fragen ein. Diese Führung kann ich jedem empfehlen, der Würzburg besuchen möchte.

Station 4: Heidelberg

Gleich nach der Führung brachen wir auf zum Campingplatz Campig Haide in der Nähe von Heidelberg. Es waren weit über 30° und wir schwitzten wie nichts Gutes. Dennoch wollten wir uns die Tour, die ein Verwandter, der mal in Heidelberg gelebt hat, für uns erstellt hat, nicht entgehen lassen! Wir gingen ein Stück am Neckar längs. Ehrgeizig kämpften wir uns den Philosophenweg hoch, schlenderten ihn entlang, stiegen wieder herab, gingen über eine Brücke durch ein Tor hoch zur alten Schlossruine und wieder hinunter in die Innenstadt.

Heidelberg am Neckar

Heidelberg am Neckar

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Heidelberg am Neckar

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Der Philosophenweg

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Der Blick von Heidelberg vom Philosophenweg aus

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Der Blick von Heidelberg vom Philosophenweg aus

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Der Blick auf dem Neckar von der Schlossruine aus

Ich konnte nur erahnen, wie schön es sein muss, an diesem Ort zu studieren, wie hoch die Lebensqualität dort wohl sei. Als Besucher ist Heidelberg auf jeden Fall schon ein fantastischer Ort, der einen sofort in seinen Bann zieht.
Auch wenn die darauffolgenden Orte unserer Reise mich noch mehr gefesselt haben.

Roadtrip durch Deutschland: Station 1

Der Herbst ist, zumindest hier im Norden Deutschlands, so schnell über den Sommer hergefallen, dass ich gar nicht gemerkt habe, wie dieser verschwunden ist. So bleibt mir nur noch, mich mit einer heißen Schokolade in meiner Kuscheldecke gemummelt auf das Sofa zu setzen und die schönen Momente des Sommers Revue passieren zu lassen. Ich habe euch noch gar nicht von meinem Roadtrip erzählt – dabei war er soooo schöööön und voller Überraschungen! Eines kann ich euch gleich sagen: Deutschland ist wirklich ein wunderschönes Land! Und ich weiß jetzt schon, dass ich nun kreativer werden muss, spezifischere Worte zu finden, damit euch das Wort „schön“ nicht am Ende aus den Ohren raushängt.

Alle Orte, die wir uns angeschaut haben, sind einen Besuch wert, da habe ich schon einmal gute Vorarbeit geleistet 🙂 Allerdings bezieht sich dies nicht auf die Campinplätze, die sich im Laufe der Reise jedoch noch deutlich gesteigert haben. Alles auf einmal zu erzählen, würde zu lange dauern, deshalb zeige ich euch Stück für Stück die schönen Plätze Deutschlands.

  1. Station: Aachen und die Eifel

Für unsere erste Station sind wir zunächst von Hamburg aus knapp 500 Kilometer in den Süden gefahren, nach Aachen. Diese Stadt habe ich als sehr von ihren Einwohnern behütet wahrgenommen. Die Bewohner dort scheinen ihre Tradition genauso zu schätzen wie innovative, frische Ideen.
Der Stil der Altstadt zieht sich in der Innenstadt durch jedes Haus. Die Fenster sind liebevoll mit Blumen dekoriert. An gefühlt jeder zweiten Ecke hing ein Anti-Atomkraft-Schild, gerade an den Wänden von Geschäften. Innovative, trendige Produkte wie Sirup bestehend aus konzentriertem Obst und Gemüse von Eat a Rainbow werden in der Innenstadt verkauft, genauso wie die traditionellen Printen, brauner Lebkuchen aus Aachen (zu empfehlen: Alois Roderburg). Man wurde zum Schlendern eingeladen, zum Stöbern und Kaffee trinken.

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Impressionen aus Aachen

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Impressionen aus Aachen

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Anti-Atomkraft-Schilder wie hier sind an jeder zweiten Ecke zu sehen

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Bei diesem trendigen Lädchen gibt es konzentriertes Obst

Ist man in Aachen, lohnt es sich, über den Tellerrand hinaus zu schauen, sprich: die umherliegenden Ortschaften wie Kornelimünster zu besuchen. Zu dem Zeitpunkt, als wir da waren, war gerade ein historischer Jahrmarkt aufgebaut, der sich perfekt in die malerische, altstädtliche Umgebung einfügte.

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Von unserem Campingplatz VICHTBACHTAL in Roetgen-Mulartshütte aus, der trüb, langweilig, schlecht ausgestattet und dementsprechend überteuert ist, haben wir einen Tagesausflug in die Eifel unternommen. Unser ursprüngliches Ziel war eine Wanderung am Hasselbachgraben. Dummerweise war genau die Hauptstraße Hahner Straße von beiden Seiten gesperrt und da wir keine Idee hatten, wo wir sonst längs fahren könnten, entschieden wir uns dazu, einen Plan B zu suchen. Gesucht, nach einigen Minuten Fahrzeit bereits gefunden: Die Dreilägerbachtalsperre. Ohne Erwartungen latschten wir drauf los und fanden dies:

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Sind wir hier in Kanada?…

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…nein, in Deutschland!

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Wir entschieden uns während der Wanderung, die Struffeltroute zu gehen. Diese hat eine Länge von 9,7 Kilometern und ist angeblich ein absoluter Geheimtipp der Einheimischen – zumindest erzählte dies uns eine Gruppe Wanderer, die in der Nähe der Dreiländertalsperre wohnen und zwischenzeitlich auf uns stießen.

Und das war schon der erste Streich: abenteuerlich und erst der Beginn einer wunderschönen, romantischen Zeit!

Hier geht es zum zweiten Teil meines Roadtrip-Berichts

 

Leben am Limit: Tagebuch einer dualen Studentin

Momentan durchlaufe ich ein duales Studium im Fachbereich Business Administration. Das bedeutet, dass meine Semester an der Uni inkl. der Klausuren lediglich elf Wochen lang sind und ich keine Semesterferien habe, sondern nach den 11 Wochen Uni in meinem Kooperationsunternehmen arbeite. In drei Wochen beginnt schon mein drittes Semester und ich habe die Prüfungswoche des zweiten Semesters schon längst überstanden und alles bestanden – sechs Klausuren in fünf Tagen sind dennoch wirklich nicht ohne. Vorweg ist vielleicht noch zu sagen: Ich gehöre zu den Personen mit eiserner Disziplin, ich habe also seit Beginn des Semester fleißig mitgearbeitet. Dennoch bin ich in der Prüfungswoche an eine Grenze gelangt, die es zu überwinden galt. Wie ich das geschafft habe? Durch starken Willen, guter Arbeitsorganisation, einem großartigen Freund, der mich mit Cheeseburgern, Smoothies und McFlurrys versorgt hat und den Haushalt geschmissen hat und vor allem dank einer wundervollen Lerngruppe. Ich sage euch, Leute, solltet ihr jemals an diese Grenze stoßen, sucht euch Verbündete! Und gemeinsam durchsteht ihr auch sechs Prüfungen in einer Woche.

Natürlich möchte ich euch nicht vorenthalten, wie es mir in der besagten Woche erging: Viel Spaß beim Schmunzeln!

 

Montag

9.30 Uhr: Die erste Klausur ist geschafft. Wirtschaftsrecht. Die Dozenten waren gnädig mit uns, dementsprechend ist die Stimmung im Kurs gut. Wir sind motiviert und optimistisch, die Woche gut überstehen zu können.

Dienstag

9 Uhr: Ich stehe ausgeschlafen auf. Die zweite Klausur, Personal, steht erst um 17 Uhr an. Da habe ich noch genug Zeit, mich darauf vorzubereiten, außerdem auf Statistik.

11 Uhr: Nach zwei Stunden Lernen ist mein Akku schon wieder leer. Ich lege mich noch einmal für eine halbe Stunde hin.

11.30 Uhr: Ich beschließe, dass ich meine Energie für die Klausur aufheben sollte. Also packe ich schon einmal ein paar Dinge für den anstehenden Roadtrip zusammen.

12.30 Uhr: Ich werde nervös. Versuche mich mit Malen und Pinterest abzulenken. Das funktioniert zeitweise ganz gut.

14 Uhr: Ich tigere durch die Wohnung, auf der Suche nach Ablenkung. Alles kostet zu viel Energie oder lenkt nicht genug ab. Mein Kopf beginnt, private Probleme aufzupuschen. Ich überlege, mir etwas zu Essen zu kochen, habe aber Null Appetit.

14.30 Uhr: Ich steige aufs Fahrrad und fahre zum Bahnhof. Dann bin ich halt schon 1,5 Stunden früher in der Uni.

15:15 Uhr: Meine Freundin kommt auch schon früher. Ich bin froh, Gesellschaft zu haben und kaufe mir Frühlingsrollen und Brownies.

17 Uhr Klausur: Ich stehe immens unter Zeitdruck. Was zur Hölle, wie soll man das alles schaffen? „Nennen Sie acht Möglichkeiten zur Anwerbung von Hochschulabsolventen.“ (4 von 100 Punkten). Ich schmiere alles hin, was geht.

18.30 Uhr: Klausurende. Mein Kopf ist Matsch.

20 Uhr: Die Bulimie-Lerner rechnen jetzt noch Statistik-Aufgaben, ich gebe meinem Kopf eine kurze Pause zur Regeneration.

Mittwoch

8 Uhr: Statistik. Läuft.

9.30 Uhr: Bergfest! Die Hälfte ist geschafft. Aber ich nehme den Sekt geschlossen wieder mit nachhause. Niemand ist in Stimmung fürs Aufatmen. Glücksgefühle bleiben aus.

10-11 Uhr: Erst einmal schlafen.

12 Uhr: Als nächstes steht Macroeconomics an. Mein Kopf ist voll, aber ich versuche zu lernen. Nach einer Stunde brauche ich schon wieder eine Pause.

14 Uhr: Ich setze einen neuen Versuch an. Währenddessen bekomme ich Angst vor Freitag. Ich habe Operations Management noch nicht drauf. Wann soll ich dafür lernen? Donnerstag Nachmittag? Was wird aus der KLR-Wiederholung? Donnerstag Morgen benötige ich schon für Macro, weil ich jetzt Kopfschmerzen bekomme. In der Lerngruppe geht es ab: Eine Komilitonin hat für heute Macro, OM und KLR auf dem Plan. Ich kann nicht einmal Macro. HILFE!

17 Uhr: In der Lerngruppe wird der Stress mit traurigem Humor aufgenommen. Es werden reihenweise Bilder verschickt wie das mit dem tanzenden Affen in Homer Simpsons Kopf und wir verlinken uns gegenseitig auf armseligen Bildern bei Facebook.

17.30 Uhr: Schluss mit Jammern: In der Lerngruppe geht es wieder rund, die Vorbereitung auf die Macro-Klausur läuft auf Hochtouren. Warum ist die AD-curve downwardsloping? Short Run, Medium Run, Natural Output – die Begriffe fliegen kreuz und quer, ich komme nicht mehr mit.
Mir fällt ein, dass ich am Morgen von meiner Freundin Schokolade bekommen habe. Her damit!

20-21 Uhr: Yoga!

21.10 Uhr: Ich schaue wieder aufs Handy: 30 (Sprach-)Nachrichten, es wird immer noch wild diskutiert. Ich beschließe,  mit meinen eigenen Lernzettel zu lernen, auch auf die Gefahr hin, etwas falsch notiert zu haben.

22 Uhr: Allgemeine Bet-Runde. Jeder aus der Lerngruppe setzt sich im Schneidersitz, Arme auf die Knie und 30 Sekunden innehalten.

Donnerstag

9 Uhr: Ich wache auf, schalte das Internet ein – 40 Nachrichten seit 7:07! Es wird erneut seit zwei Stunden über Macro diskutiert! Nee, ich lerne jetzt keine anderen neuen Erklärungsansätze, es bleibt alles in meinem Kopf, so, wie ist, ob es falsch ist, oder nicht!
Stattdessen lerne ich schon einmal OM für Freitag mit dem Wissen, dass es nicht reichen wird.

11.30 Uhr: In der Bahn checke ich schon einmal die Wettervorhersagen für die kommende Woche. Egal, wo ich bin, in ganz Deutschland wird die Sonne scheinen! Juhu!

13-14 Uhr: Macro-Klausur: Alles Wissen wird ausgekotzt. Danach bin ich erleichtert. Das Ende ist nicht mehr weit entfernt. Und die Sonne wird für uns scheinen!

18:15 Uhr: Verdammt! Ich habe die ganze Woche keine einzige Sekunde lang Kosten- und Leistungsrechnung wiederholt!

Freitag

8:00 Uhr: Die erste von zwei Klausuren steht an: Kosten- und Leistungsrechnung. Alles läuft gefühlsmäßig glatt.

9:45 Uhr: Ich habe ein sehr gutes Gefühl!

9:50 Uhr: Meine Freundin macht mich darauf aufmerksam, dass ich eine Aufgabe komplett falsch gemacht habe. Verdammt.

10:30 Uhr: Ich bin bei meiner Freundin und wir versuchen, uns alles, was geht, für die letzte Klausur ins Kurzzeitgedächtnis zu kloppen. Ich lese meine Notizen durch, wieder und wieder – es bleibt nichts hängen. Hilfe!

11:30 Uhr: Pause. Erst einmal etwas essen und dann schlafen.

13:30 Uhr: Aaaaah, noch zwei Stunden bis zur nächsten Klausur! Es hilft alles nichts. Die Nerven liegen blank und wollen beruhigt werden. Wir trinken einen Kurzen in der Hoffnung – schließlich heißt es, mit Alkohol könne man sich besser konzentrieren!

13:40 Uhr: Oh Wunder! Es wirkt!

15:30 Uhr: So. Die letzte Klausur. Ich blättere die Zettel durch, wieder und wieder, schreibe hier und da mal was hin. Das Bittere daran: Die Klausur ist superfair, aber man hatte keine Chance sich vorzubereiten!

16:30 Uhr: Jaaaaaaa, geschaaaaaafft! Ich habe nicht einmal die Hälfte ausgefüllt, aber es ist mir in diesem Moment so egal. Ich habe die Woche überstanden und nun steht drei Wochen Reisen auf dem Plan! Yippiiiiiiiiiiiiiieh!

Die Heimat durch andere Augen sehen

Vor einiger Zeit habe ich euch von meiner bisher heimischen Blindheit erzählt. Meine Gedanken zu meiner Heimat kommen auf jeden Fall noch. Zunächst möchte ich euch von einem Erlebnis erzählen, welches mich dazu animiert hat, zumindest einen Ort aus einem ganz anderen Blickwinkel zu betrachten, diesen durch andere Augen zu sehen.

Eigentlich ging es hierbei nur darum, für einen lieben Menschen ein schönes Geburtstagsgeschenk zu finden. Für ältere Menschen ist es für mich es immer schwierig, etwas Geeignetes zu finden, haben sie doch schon alles, was sie wollen (zumindest sagen sie es immer). Zeit zu verschenken, ist da häufig die einzige Möglichkeit und wenn ich ehrlich bin, ist es auch wirklich notwendig, kommt man doch viel zu selten dazu, die lieben Verwandten zu besuchen. So kam es, dass ich der besagten Dame einen Tagesausflug in die Stadt Lübeck geschenkt habe, um mit ihr in dem Niederegger Café einen Kaffee zu trinken. Da ich schon einige Mal in Lübeck war, kannte ich die Innenstadt schon relativ gut und da das Geschenk außerdem von mir aus ging, habe ich nicht damit gerechnet, an diesem Tag etwas Neues zu sehen.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass mir nicht bewusst war, das die liebe Frau in ihrer Kindheit viel Zeit in Lübeck verbracht hat und deshalb eine Menge zu erzählen wusste.
Es fing schon beim Betreten der Stadt an: Wir parkten ganz woanders, als ich sonst geparkt hatte. Wir gingen Richtung Innenstadt, aber nicht durch das Lübecker Tor, sondern von einer gänzlich anderen Richtung. Wir gingen die Straße hinauf und zu so vielen Orten konnte sie eine Geschichte erzählen, was dieser Ort damals für eine Bedeutung hatte, was sie dort erlebt hatte oder was dort einmal für ein Geschäft war. Es war so schön, ihr zuzuhören, zu sehen, wie sie diesen Ort auf sich wirken ließ und auf einmal hatte die Stadt einen gänzlich anderen Eindruck auf mich.
Zu Mittag haben wir in einem von ihr empfohlenen Restaurant gegessen – da wäre ich im Leben nicht auf die Idee gekommen, rein zu gehen, zumal ich gar nicht in dieser Nähe gekommen wäre. Dabei war das Essen so gut!

Dieser Tag wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben als den Tag, an dem ich einen Ort zum ersten Mal bewusst durch die Augen einer anderen Person gesehen habe. Und an dem ich einen total lieben Menschen richtig näher kennengelernt habe.

Deshalb kann ich jedem nur empfehlen: Wenn ihr denkt, ihr habt schon alles gesehen: Dann fahrt mit einer anderen Person an einen Ort, an dem sie sich gut auskennt. Ich bin mir sicher, dass ihr dann ganz unverhofft einen neuen Ort entdecken werdet.

Unsere Chillcouch für den Balkon aus Europaletten

Wenn sich das Licht in Luftmoleküle spiegelt
Wenn sich die warme Luft in unsere Poren saugt
seh‘ ich uns in der Sonne liegen
Wir tanken auf nur mit Licht ins Leben

~ Super Sommer, Luttenberger Klug

…und wo kann man sich besser entspannen als auf dem eigenen Balkon? Nachdem ich drei Sommer lang ohne Balkon ausgekommen bin, weiß ich diese Oase der Entspannung nun umso mehr zu schätzen. Wer denkt, er habe den Zeitpunkt verpasst, seinen Balkon rausgeh-reif zu machen, kann ich nur ermutigen: Einen Tag Arbeit für einen Sommer lang Urlaubsfeeling vor der Tür lohnt sich allemal! Besonders zu meiner Entspannung trägt unsere selbst gebaute Liege bei. Wie ihr ganz einfach eine Liege aus Europaletten bauen könnt, möchte ich nun Schritt für Schritt zeigen.

 1. Balkon ausmessen

Bevor ihr voller Tatendrang schon mal die Paletten kauft, ist es ratsam, zunächst einmal den Balkon auszumessen. Bei uns passt die Breite zweier Paletten perfekt mit der Länge unseres Balkons zusammen. Für die Breite des Balkons mussten wir sie jedoch kürzen. Wie wir das gemacht haben, zeige ich in Schritt drei.

2. Vier Europaletten kaufen

Da wir sowieso einen Shabby-Look haben wollten, haben uns gebrauchte Paletten für je 6,80 Euro vollkommen ausgereicht. Je zwei Paletten übereinander ergeben eine angenehme Höhe, zwei Paletten hintereinander eine ausreichende Länge zum Hinfläzen.

sdr

3. Paletten zurechtschneiden

Zunächst ein Ende abschneiden…

sdr

…dann mit einem Brecheisen die Nägel aus dem überschüssigen Holz ziehen es so abtrennen…

cof

…um dann den Fuß wieder an die Palette zu nageln.

cof

Wie ihr sehen könnt, ist die Palette unten nun kürzer.

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4. Holz abschleifen

Damit ihr euch die Stoffe nicht aufreibt und das Holz die anschließende Lasur besser aufnimmt, haben wir die Paletten von oben abgeschliffen.

5. Paletten lackieren

cof

Um die Paletten vor Wind und Wetter zu schützen – schließlich lassen wir sie den gesamten Sommer über draußen – haben wir die Paletten mit einer Dauerschutzlasur bestrichen. Wir haben uns für die Farbe Kiefer von der Eigenmarke Obi entschieden, weil wir den natürlichen Look beibehalten wollten.

6. Paletten trocknen lassen

cof

Die Lasur musste so 24 Stunden trocknen. Wir haben sie über Nacht draußen stehen lassen und am nächsten Morgen bereits auf den Balkon gestellt. Allerdings sollten die Paletten dann noch einmal einen guten Tag über austrocknen.

cof

7. Bepolstern

Nun konnten wir die Paletten bepolstern – sprich: Wenn wir draußen chillen wollen, schnappen wir uns unsere Gästematratzen und Kissen (bei Jawohl und IKEA gekauft) und machen es uns gemütlich. Für einen romantisch-kuscheligen Effekt haben wir noch einen Lichterschlauch durch die Paletten gezogen. Und siehe da: Eine passgenaue Chillcouch für den Balkon!

mde

#Bloggerliebe oder wie mir Blogs Inspiration schenken

In meinem letzten Artikel habe ich euch bereits von meiner geplanten Reise für das Jahr 2017 erzählt: Mein Freund und ich machen einen Roadtrip durch Deutschland!

Der Juni ist leider noch zwei Monate entfernt. Die Wartezeit verbringe ich damit, mir meinen persönlichen Reiseführer für die Deutschlandtour zusammenzubasteln. Es macht so viel Spaß, sich intensiv mit seiner Reise auseinanderzusetzen und besser kann ich meine Vorfreude auf das, was kommt, gar nicht steigern! Im Folgenden möchte ich euch erzählen, von wo ich meine Anregungen für den Reiseführer erhalte.
Genauso möchte ich mit diesem Artikel einen Beitrag zu der Blogparade #Bloggerliebe leisten, welche Stefanie Leo von lesenlebenlachen.de ins Leben gerufen hat. Hier geht es darum, seinen Bloggerkollegen für deren Arbeit einmal zu danken oder zu erzählen, wie man die Liebe zum Bloggen entdeckt hat.
Beide Fragen, sowohl „Wie planst du deine Deutschlandtour“ als auch „Wie hast du deine Liebe zum Bloggen bzw. zu Bloggern erneut entdeckt?“ werde ich wie folgt beantworten: „Durch Pinterest!“

Hä? Du planst deine Reise nur durch Bilder? Und was hat das bitte mit Bloggern zu tun?, wird vielleicht der ein oder andere nun fragen. Tatsächlich suche und finde ich auf diese Weise gezielt Artikel von Bloggern aus verschiedenen Communitys, die Experten in ihrer Heimat sind oder tolle Erlebnisse in einem Ort hatten.

Lasst es mich anhand eines Beispiels erläutern. Meine Haltestellen auf dem Roadtrip habe ich bereits gesteckt. Mein erster Anlaufpunkt ist Aachen. Aachen soll eine schöne Stadt sein. Aber wie erhalte ich Tipps aus erster Hand, wenn ich niemanden kenne, der schon einmal länger als einen Tag dort verbracht hat (oder wenn ich nicht weiß, dass ich so jemanden kenne^^)? Ich gebe bei Pinterest Aachen ein. Zum einen sehe ich so schon hübsche Bilder, die Lust auf mehr machen. Zum anderen sind viele der Bilder auf Artikel verlinkt, mit Glück sogar von jemanden veröffentlicht, der schon seit Jahren in der gefragten Stadt lebt? So bin ich bei dem Suchwort Aachen auf den Blog www.reisezeilen.de gestoßen. Tipps von Einheimischen, besser geht es doch gar nicht! Und wenn jemand schon etwas aus seiner eigenen Heimat erzählt, hat er oder sie vielleicht auch noch Tipps für weitere Orte aus der Gegend?
Beatrice von reisezeilen.de beschäftigt sich hauptsächlich mit nachhaltigem Reisen. Absolut lesenswert – mit Bezug auf meinen Roadtrip interessierte ich mich in dem Moment am meisten für ihren Artikel über Aachen, besonders weil dieser einiges an Insiderwissen parat hat.

Regelrecht versunken bin ich auf www.lilies-diary.com. Christine selbst scheint schon viel in Deutschland rumgekommen zu sein, viele Gastautoren runden den Blog mit deren zahlreichen Insidertipps ab. Herrlich! Ich liebe es, persönliche Erfahrungen und Tipps von anderen zu lesen, die noch dazu unterhaltsam und kurzweilig geschrieben und mit hübschen Bildern untermauert sind, und diese zu sammeln! So kann ich mir am Ende aus vielen Meinungen die für mich interessantesten Aspekte für mein eigenes, persönliches Reisebooklet heraussuchen.

Diese Art zu planen klingt viel aufwändiger als bloß ein, zwei Reisebücher zu kaufen. Stimmt sicherlich auch. Erstens erscheint mir ein allgemeiner Deutschland-Reiseführer jedoch nicht genau genug – Infos für Orte, zu denen ich nicht will, sind drin, Infos für meine Ziele könnten dafür fehlen. Zweitens macht es einfach so viel Spaß! Meine Vorfreude auf die anstehende Tour steigert sich. UND ich finde durch das Stöbern viele, tolle Blogger und Bloggerinnen, von denen ich mich inspirieren lasse. Das ist für mich wirklich das tollste an Bloggern: Sie bereichern uns mit ihren Erfahrungen, sie inspirieren sich gegenseitig und schenken uns Lesern Anregungen. Ich bin so vielen Bloggern unglaublich dankbar, dass sie ihre Erlebnisse mit uns teilen.

Nächster Halt: Deutschland!

Krokusse blühen, die Vögel erwachen zum neuen Leben und – das bei mir deutlichste Anzeichen für den Frühling – ich bin am Wochenende schon vor acht Uhr hellwach und voller Tatendrang. Ich möchte auch in diesem Jahr so viel Neues erleben: die perfekte Sportart für mich entdecken, mich im Beatboxen und Jodeln probieren (YouTube wird mein bester Freund xD), auf einem Festival campen uuund eine wundervolle Low-Budget-Sommerreise erleben! Mit Low-Budget-Reise meine ich mit dem Auto durch die Gegend fahren und in einem Zelt schlafen. Das ganze will natürlich gut geplant sein, damit aus dem Low Budget nicht am Ende ein High Budget wird, weil wir keinen Schlafplatz gefunden haben.

Deshalb nutze ich nun die gewonnene Zeit, die nicht mit schlafen verbracht wird, mit der Planung des Roadtrips. Die Route haben wir bereits: Da wir noch nicht so viel von Deutschland gesehen haben, war der Raum, in dem mein Freund und ich umherfahren wollen, im Vornherein abgesteckt. Wir wollten uns zunächst nicht von den vorgegebenen zwei bis drei Wochen nicht stressen lassen; so hat zunächst jeder für sich selbst überlegt, was er gerne sehen würde. Also durchstöberte ich meine 101 Places to See-Liste, Pinterest, Online-Magazine und das kleine Buch „Deutschland nimmt frei“ von MERIAN live!, welches ich zufällig im Angebot gekauft habe, und stellte fest: Deutschland hat ja sooo viel zu bieten!

Als mein Freund und ich unsere Routen zusammengetragen haben, sah die Deutschlandkarte dank der aufgemalten Punkte auch sehr rot aus. Schnell wurde klar: Es soll ein Mix werden aus Wandern, Städte-Sightseeing und die Besichtigung kultureller Objekte, und entspannend soll die Reise selbstverständlich auch sein. Sich auf ein Gebiet zu beschränken, kommt bei einem Roadtrip nicht in Frage. Und so ist diese hübsche Route entstanden:

Route_nah

 

In Worten: Vom Norden wird zunächst Aachen, unser westlichstes Ziel, angefahren. Wir schauen uns die Stadt an und spazieren ein wenig im Nationalpark Eifel. Dann fahren wir in die Mitte Deutschlands, wobei wir noch einen kurzen Boxenstopp beim Schloss Drachenburg einlegen. Wandern im Spessart, Würzburg, Michelstadt und Heidelberg stehen auf dem Programm. Anschließend fahren wir in den Südwesten nach Freiburg im Breisgau. Darauf freue ich mich momentan am meisten. Wir wollen zu den Triberger Wasserfällen, die im Schwarzwald liegen. Und danach geht es auf die andere Seite, vielleicht über den Bodensee, nach Oberammergau. Schloss Neuschwanstein ist für mich natürlich ein Muss, zum einen wegen der Romantik, vor allem jedoch, weil mich die Familie Wittelsbach sehr fasziniert. Der Partnachklamm sowie Mittenwald haben über Pinterest großes Interesse in mir geweckt! Ich hoffe, sie halten mehr als das Waterfall Castle mir versprochen hat!

Da wir irgendwann wieder in den Norden müssen, fahren wir danach wieder hoch und legen eine Pause in Regensburg ein. Weiterhin besichtigen wir die Feengrotten in Saalfeld.
Nach einem kurzen Boxenstopp zuhause im Norden, fahren wir zum Ende in den Harz, genau genommen nach Goslar und zum Wandern Richtung Brocken. Den blühenden Abschluss macht Dresden auf unserem Roadtrip.

Ich bin ja schon so gespannt! Meine Vorfreude wird durch die weitere Planung noch weiter gesteigert. Wie genau die Planung bei mir abläuft und was für eine Rolle Pinterest schon wieder dabei spielt, werde ich euch in meinem nächsten Beitrag erzählen.

 

Wenn ihr das Gefühl habt, ich habe auf der Karte eine wichtigen Stop vergessen, dann schreibt mir gerne! Ich freue mich über eure Anregungen.

Gesellschaftsdruck und was Instagram damit zu tun hat

Saaaarah, wo bist du?

Hier!

Wo?

Na, hier!!!

Wo genau?

HIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIER!!!!

Puh, gar nicht so einfach, wieder an der Stelle zurückzukehren, wo man war, wenn man erst einmal in den Rachen der Gesellschaft gelangt ist. Dabei war das gar nicht so geplant. Wer meinen letzten Beitrag gelesen hat, der kennt meine Pläne. Ich hatte viele Ideen, die ich mit euch teilen wollte, viel zu sagen und so vieles zu zeigen. Ich benötigte nur eine klitzekleine Pause, um mein Leben umkrempeln zu können: Ein neuer Job, eine neue Wohnung, neue Bekanntschaften, ein bisschen Shopping und schon stand ich mit beiden Beinen mitten im Leben. In den letzten Jahren habe ich meine Stärken und meine Schwächen kennen und schätzen gelernt. Ich wusste, wer ich gewesen war, wer ich war und wer ich noch werden wollte. Ich war glücklich.

Im Grunde ging dieses Gefühl auch nicht ganz flöten. Ich blieb mir treu, aber genau das war das Stressige.
Vielleicht war ich davor zu sehr damit beschäftigt, mein Leben in eine positive Bahn zu lenken, so wie ich es wollte. Bis ich endlich an dem Punkt angelangt war, wo es mir Spaß machte, morgens aufzustehen, auf einmal waren Montage gar nicht mehr so schlimm. Das Leben war ja so schön!

Es war mir in dem Moment gar nicht so bewusst, aber irgendwann schaute ich also aus einem ganz anderen Blickwinkel auf meine Umgebung. Doch was sah ich? Jammernde Menschen, die ihr eigenes Leben seit Monaten oder gar seit Jahren beschissen finden und nichts ändern. Menschen, die nicht verstehen, warum ich glücklich sein kann. Menschen, die es einfach nur doof finden, dass es eine Person gibt, die glücklich ist.

Und dann war da noch die Oberflächlichkeit.

Instagram hat es, ohne, dass ich selbst es nutze, geschafft, mir so richtig die Laune zu verderben. Ich hörte nur noch „Instagram hier“, „Instagram da“, „durch Instagram bin ich ja so fame“, „Nein, mache bloß kein Foto von mir auf einer Familienfeier! Ich hasse solche Bilder! Schieße lieber ein Bild von mir in hautenger Sportkleidung, damit ich noch mehr Follower bekomme und Geld!“
Und dann war und ist jeder zweite im Abnehm- und Fitnesswahn, als ob man sich nur dadurch definieren würde (na ja, Instagram tut es scheinbar). Obwohl ich zuvor nie das Bedürfnis nach Sport verspürt hatte, fühlte ich mich auf einmal dick. Ich weiß, dass sich an meinem Körper nichts geändert hatte und ich persönlich finde Kurven sowieso viel schöner. Als ich mich bei einer Bekannten über ihr Sportangebot erkundigen wollte, hat sie mich einfach auf eine Facebook-Gruppe verwiesen, in der die Leute lediglich vorher-nachher-Bilder von ihren Körpern gepostet haben. Als ob man nur Sport machte, um sich anschließend präsentieren zu können. Boooah, das hat mich auf einmal so gestresst! Anstatt Lust auf Sport zu bekommen, fühlte ich mich einfach nur wie ein Loser. Auf einmal hatte ich Null Lust, in irgendeiner Weise meinen Blog weiterzuführen. Ich redete mir ein, es würde ja sowieso nie jemand lesen. Auf meinen Fehler aus dem Stockholm-Beitrag, in dem ich statt über den Skansen plötzlich von Shinkansen schrieb, hat mich schließlich auch kaum jemand aufmerksam gemacht. Zu dieser oberflächlichen Instagram-Welt passt meine bunte Ideenkiste überhaupt nicht. Auch sonst fragt mich kaum jemand, was bei mir neben der Arbeit abgeht. Solche „belanglosen“ Dinge wie eine neue Beziehung werden von den Leuten über Facebook abgefrühstückt, sodass es dem wohl nichts hinzuzufügen ist.

Was soll das? Es wird immer geschrien, man solle sich selbst treu sein, sein eigenes Ding durchziehen, Persönlichkeit entwickeln. Doch am Ende sind nur die Leute interessant, die bei den Trends ganz oben mit dabei sind. Auf Individualisten wird gar nicht erst eingegangen.

Aber wisst ihr was? Da stehe ich nun drüber, wie ich bereits vor einiger Zeit in einem anderen Beitrag erläutert habe. Ich stehe mitten im Leben, auf beiden Beinen. Ich weiß, wer ich war, wer ich bin und in welche Richtungen es weiter gehen könnte. Ich habe eine Familie, auf die ich mich verlassen kann. Ich habe wundervolle Freundinnen, die mich genauso lieben, wie ich sie liebe ❤️ Bei denen jede wie ein Schmetterling alle seine Facetten in voller Pracht zeigen kann. Und ich habe etwas, was sonst niemand hat ❤️❤️ Und deshalb bin ich weiterhin sehr glücklich und ich freue mich darauf, nun an dieser Stelle da anzusetzen, wo ich vor einem halben Jahr aufgehört habe!

Falls mich wer sucht: Ich bin genau hier. Dort, wo ich in diesem Moment am liebsten sein möchte ❤️