Deine Reise ist nicht meine Reise!

 

Dass jeder Mensch eine andere Vorstellung vom Reisen hat, musste ich schon häufig feststellen. Bereits einige Male wurde ich deswegen vor dem Kopf gestoßen. Warum? Weil wir zuvor nie über unsere Vorstellungen geredet hatten. Florian von Flocblog hatte nun eine schöne Idee und hat zur Blogparade zu genau diesem Thema aufgerufen: Deine Reise ist nicht meine Reise. Über Janine von findinghummingbirds.de, eine wundervolle Reisebloggerin mit einer Vorliebe für Irland,  bin ich auf die Blogparade aufmerksam geworden und habe mir zu dem Thema ein paar Gedanken gemacht.

Über Missverständnisse während der Reise

„Habt ihr Lust, mit nach Italien zu kommen?“ So wurden mein Freund und ich vor einiger Zeit von einem anderen Pärchen dazu eingeladen, sie auf einen Trip zu begleiten. Vom Norden Deutschlands sollte es in den Norden Italiens gehen. Ich war begeistert. Ein langersehnter Traum sollte sich für mich erfüllen! Ein Dreiviertel-Jahr im Voraus schien alles festzustehen: Ort, Zeitraum und Verkehrsmittel. Jeden Monat freute ich mich mehr darauf. Alles schien so klar, ich malte mir die traumhafte Landschaft aus, wie wir stundenlang in den Bergen umherwanderten…hach…
Und dann, zwei Wochen bevor es losgehen sollte, rief mein Freund mich an: „Die beiden haben den Urlaub mit uns gecancelt.“ Waaas?!?!?! Sie wollen nicht mit Bonzen fahren, sagte er. Ich fiel aus allen Wolken. Ich und ein Bonze? Woran machten sie so etwas fest? Letztendlich scheiterte die gemeinsame Reise schon an der Hinfahrt. Da uns vieren die Autofahrt durch ganz Deutschland und Österreich zu lang war, wollten wir in der Nacht eine lange Pause einlegen. Das Pärchen, mit dem wir fahren wollten, wollte einfach am Straßenrand campen. Mein Freund und mir war dies zu unsicher, wir wollten lieber in eine Jugendherberge. So wurden wir als Bonzen abgestempelt und der gesamte Urlaub ohne eine weitere Verständigung kurzfristig abgeblasen.

In demselben Zeitraum wollten meine Freundinnen und ich uns nach dem Abitur eine kleine Auszeit gönnen und planten eine gemeinsame Reise nach Wien. Eine Städtereise über 10 Tagen. Wir alle freuten uns riesig. Einige Sehenswürdigkeiten standen auf jeden Fall fest: Schönbrunn und der Stephansplatz ist ein unbedingtes Muss! Und die restliche Zeit? Endete zwischenzeitlich in einem Desaster. Ich war wie immer die strengste Freundin der Welt, mit der man nicht offen über seine Wünsche reden könne. Egal. Hervorgerufen wurde dieser Disput nur, weil wir uns im Vorhinein nicht über das Ziel der Reise ausgetauscht hatten. Bis zu diesem Zeitpunkt war uns allen scheinbar gar nicht bewusst, dass jeder unter einer Städte-Tour etwas dermaßen unterschiedliches verstehen kann!

Ich persönlich mache mein Reiseziel allgemein vom Reiseort abhängig und andersherum. Im Grunde gibt es für mich folgende Ziele für die Reise:

  1. Neue Orte und Kulturen entdecken
  2. Erholung und Entspannung pur
  3. Zeit mit geliebten Menschen verbringen. Das geht im Alltag so oft unter.

Neue Orte kann ich in vielerlei Hinsicht kennen lernen, ob mit dem Bus, zu Fuß, dem Rad, dem Auto, aber immer bewege ich mich vorwärts. Entweder ich fahre in eine Stadt und bewege mich dort oder fahre von Ort zu Ort. Cluburlaub ist da Fehl am Platz.
Wenn ich mich erholen möchte, dann zieht es mich in die Natur oder in ein schickes Hotel. Ankommen, Getränk schnappen, irgendwo hinlegen. Fertig.
Zeit mit geliebten Menschen kann ich auf allen erdenklichen Weisen verbringen. Mittlerweile kann ich mich bei diesem Punkt sehr gut anpassen.
Wie du siehst, kann ich auf viele Weisen reisen: Als Entdeckerin lediglich mit Handgepäck von Ort zu Ort jumpen und in Airbnb-Zimmern schlafen wie bei meiner Italien-Reise oder als faule Urlauberin in einer All-Inclusive-Clubanlage den halben Tag am Strand pennen. Oder ich mache einen Wochenend-Ausflug mit einem geliebten Menschen, schlendere mit ihm/ihr durch die Straßen, nehme das Flair des Ortes auf und genieße einfach die kleine Auszeit mit eben dieser Person.

Eines passt für mich jedoch nicht zusammen: Städte-Tour als Erholungsziel. Menschen, die für zwei Tage in eine Stadt voller entdeckungswürdiger Straßen und Plätze reisen und anschließend nur im Hotel entspannt oder den halben Tag im Café gesessen haben, kann ich nicht verstehen. Da fällt mir spontan ein Promi-Pärchen ein, welches über Silvester für 24 Stunden von Deutschland nach Mailand geflogen ist (mit einem Flug, der 4 Stunden Verspätung hatte), den Abend über im Hotelzimmer war, Mitternacht verschlafen hat und am nächsten Tag wieder zurückgeflogen ist. Waaas? Warum dann extra nach Mailand fliegen? Mal abgesehen davon, dass für mich allein der Flug schon herausgeschmissenes Geld ist, ist für mich so ein Tag dieser ganze Reiseaufwand gar nicht wert. Da ist man länger unterwegs als man überhaupt da ist, nur um im Hotel zu sitzen?
Genauso wenig passte es mir, extra vom Norden Deutschlands nach Wien zu fliegen und dort 8 Tage lang in einem Park zu chillen. Dort kann man nicht mal den Flair der Stadt aufnehmen, die Atmosphäre!

Aus meinen Erfahrungen habe ich also zwei Dinge gelernt:

  1. Jeder Mensch hat von ein und derselben Reise seine ganz eigenen Erwartungen. Der eine reis in eine Stadt, damit er in den nächst besten Hop-On Hop-Off-Bus steigen kann, um möglichst viel zu sehen. Der nächste schlendert durch die Straßen, trinkt ein typisches, regionales Getränk in einem Café oder auf einer Bank in einem Szeneviertel, wieder ein anderer reist ausschließlich zum Hardcore-Shoppen in die Stadt. Und dann gibt es es noch den, der den ganzen Tag im Hotel oder in einem Park sitzt. Und den, der lediglich für ein Sportevent in die Stadt fährt, um einen Marathon zu laufen und während des Wettkampfs die Stadt entdeckt.
  2. Bereits WÄHREND der Reiseplanung sollte man sich austauschen, was der Zweck dieser Reise ist und wie man sich vorstellt, diese Reise gemeinsam zu verbringen. So weiß man im Voraus, was dem anderen wichtig ist und alle können sich darauf einstellen und einen guten Kompromiss finden. In Wien haben wir letzendlich auch einen guten Kompromiss gefunden, der Disput hätte jedoch ganz leicht verhindert werden können, wenn wir einfach VORHER drüber gesprochen hätten.

Letztentlich ist es ganz egal, was du unter einer Städte-Reise verstehst, unter einer Wellness-Reise oder einer Reise in die Natur. Es ist auch nicht schlimm, wenn deine Wünsche von den Vorstellungen deiner Begleitung abweichen. Solange ihr euch vor Antritt der Reise über die gemeinsamen Wünsche und Vorstellungen austauscht und euch aufeinander einlassen könnt. Schließlich kann es sehr erfrischend sein von seiner eigenen Reise-Methode abzuweichen und Erfahrungen und Erlebnisse hervorbringen, für die du später sogar dankbar bist.

 

 

 

Advertisements

7 Gedanken zu “Deine Reise ist nicht meine Reise!

  1. Florian schreibt:

    Hi Sarah, danke für’s Mitmachen.

    Reisende lassen sich nicht gerne in eine Schublade stecken, aber spätestens in der Gruppe sind gemeinsame Vorstellungen sehr sinnvoll, wie Du gezeigt hast.

    Gefällt mir

  2. Janine schreibt:

    Liebe Sarah….als ich den Beitrag angefangen habe zu lesen, wusste ich ja gar nicht wie mir geschah. 🙂 Ganz, ganz lieben Dank für dieses schöne Kompliment.
    Und nun zum Inhalt. Hihi.
    Es ist so simpel, aber doch so wahr: Jeder hat andere Vorstellungen vom Leben und vom Reisen. Und wenn man sich vorher nicht austauscht, kann das wirklich zu Enttäuschungen führen.
    Wir sind dieses Jahr zum ersten Mal für eine ganze Woche mit Freunden in den Urlaub gefahren. Also 2 Pärchen. Vor dem Urlaub haben wir uns gesagt: Wenn wir uns mal nicht einig sein sollten, dann ist es gar kein Problem, auch mal was alleine zu machen. Niemand wird dann böse sein.
    Selbst soetwas sollte man schon vor dem Urlaub absprechen, damit am Ende niemand beleidigt ist.
    Aber noch wichtiger ist es wirklich zu wissen, was die anderen unter Urlaub verstehen.
    Mein Freund und ich gehen zum Beispiel total gern wandern. Natur ist uns viel wichtiger als shoppen und Stadt. Wenn wir dann mit anderen unterwegs sind und die wollen durch die Outletcenter etc., dann setzen wir uns lieber ab und treffen uns zum Essen wieder oder so.
    Apropros: Schon bei sowas wie dem Essen kann vieles scheitern. Wenn man stundenlang auf Restaurantsuche ist, nur weil den anderen mal wieder irgendwas nicht passt.
    Das ihr als Bonzen abgestempelt worden seid, ist ja auch ganz schön übertrieben. Nur weil ihr in eine Herberge wolltet. In diesem Fall habt ihr wahrscheinlich Glück gehabt, dass die beiden abgesagt haben. 🙂

    Ganz, ganz liebe Grüße Janine

    Gefällt mir

    • Sarah schreibt:

      Hallo Janine, vielen Dank für deine Gedanken! 🙂
      Oh ja, das Essen! Jeder hat einen Bärenhunger und will sofort etwas zu essen. Aber nächstbeste Pizzeria, nein, das ist langweilig. Lieber etwas Regionales. Hm, nur gibt es dann grad kein regionales Restaurant in der Nähe… Dann lieber Sushi? Mag der eine nicht. Gebratene Nudeln? Mag der nächste nicht. Pasta? Das hatte ich doch gestern erst…Nach einer gefühlten Ewigkeit durch die Straßen irrend, landet man schließlich doch in der Pizzeria 😀

      Gefällt 1 Person

      • Janine schreibt:

        Hahahahaa…ich musste beim lesen echt grinsen. GENAU SO ist es! Man rennt durch die halbe oder auch ganze Stadt und landet am Ende doch in der Pizzeria. Haha.
        Ich bin froh, dass mein Freund und ich uns da immer einig sind. Obwohl wir auch manchmal wie die doofen hin und her rennen, vorm Lokal erstmal minutenlang tripadvisor Bewertungen durchlesen und uns manchmal echt schlecht entscheiden können. Wenn man dann aber noch in ner Gruppe ist…oha.. 😉

        Gefällt mir

  3. Jule schreibt:

    Sehr gut geschrieben. 🙂
    Ich finde es ein wenig übertrieben jemanden gleich als Bonze zu bezeichnen, nur weil derjenige nicht am Straßenrand campen möchte. Ich kann dich da voll verstehen!
    Mir ging es auch schon oft so, dass man zusammen Reisen plant und es am Ende doch nicht klappt, weil alle etwas anderes vor Augen haben.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s